Dokumentarfilm-Spezial

Der Film- und Literaturklub lädt am Freitag, 8. Dezember, um 18.00 Uhr, ins Generationen-Kino zu einem Dokumentarfilm-Spezial mit Regisseur Stefan Eberlein ein. Es werden zwei sehr interessante Filme von ihm gezeigt. Zwischendurch gibt es Essen und Trinken am Syrischen Buffet und natürlich die Möglichkeit für Gespräche.
Zuerst läuft der Film: „Parchim international“, D 2016.
2007 kauft der chinesische Investor Jonathan Pang einen alten Militärflughafen in Mecklenburg-Vorpommern. In einer kleinen Stadt namens Parchim will er eine internationale Drehscheibe fur Flugfrachtverkehr zwischen China, Europa und Afrika schaffen. Herr Pang hat sich nicht weniger vorgenommen, als die internationalen Warenströme umzulenken und aus Parchim ein neues Zentrum der Globalisierung zu machen. Aber passt seine Idee auch in die norddeutsche Provinz? Die Arbeitslosenquote ist hoch, der Flughafen liegt seit 17 Jahren brach. Ein Container auf Stelzen dient als provisorischer Tower, die Landebahn bröckelt und die Belegschaft spricht kein Englisch. Während Jonathan Pangs deutscher Berater Werner Knan sich weiter und weiter in den Sumpf deutscher Bürokratie verrennt, reist Herr Pang mit bezwingendem Optimismus quer durch die Welt, um über alle Grenzen hinweg andere von seiner Idee zu begeistern. Ein Provinzflughafen als Brennpunkt der Globalisierung, als Wunschmaschine, in die jeder seine Träume hineinprojiziert. Die einen hoffen auf fette Gewinne, die anderen auf einen festen Arbeitsplatz. Das Aufeinandertreffen der Lebenswelten und Glaubenssysteme erzählt der Film als Tragikomödie mit bitteren Einblicken in die skurrile Realität des Kapitalismus.

Nach der Pause wird dann der Film „Von Sängern und Mördern“ gezeigt. Hinter Gittern kann Musik ein Ausweg sein In Russland gibt es einen Gesangswettbewerb, an dem nur verurteilte Häftlinge teilnehmen. Die Mörder, Drogendealer und Diebe singen von der Liebe, ihrer Mutter und manchmal auch von ihrer Unschuld. „Roter Holunder“: So heißt ein populärer Gesangswettbewerb in Russland, bei dem verurteilte Häftlinge wöchentlich ein Millionenpublikum im Radio begeistern. Für die Filmdoku „Von Sängern und Mördern“ hat der deutsche Regisseur Stefan Eberlein Schmuggler, Räuber und Mörder begleitet, von den umfangreichen Proben bis zu ihrem Auftritt. „Die Musik ist für die Gefangenen sehr wichtig. Einige hält sie am Leben“, sagt der studierte Soziologe im Deutschlandfunk Kultur.
Musikalisch stehen bei dem Gefängnis-Wettbewerb „Herz-Schmerz-Balladen“ im Mittelpunkt, die Musik hat zumeist Chanson-Charakter. Sie bestehe zu 80 Prozent aus Pathos, so der Regisseur. Viele Gefangene würden mit den Liedern um Verzeihung bitten, sagte Eberlein: „Mama, es tut mir leid!“ Es gebe aber auch Texte, in denen die eigene Unschuld beteuert werde.
Bei den Dreharbeiten erlebte Regisseur Eberlein nach eigener Aussage keine Beschränkungen. Allerdings brauchte er jeweils viele Wochen für die Erlaubnis, jeden der Sänger, die er im Film zeigen wollte, zu besuchen. Es gebe sogar politische Gegner von Putin, die bei dem Wettbewerb auftreten dürfen, sagte er. Das zeige seine Unabhängigkeit – und trotzdem werde ihm immer wieder nachgesagt, er sei ein Propagandainstrument.

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