Western

Der Film- und Literaturklub lädt ein ins Generationen-Kino:
Am Freitag, 16. Februar, um 19.30 Uhr, läuft der Film: „Western“, D, Bulgarien, Österreich, 2017.
Der Titel passt perfekt. Denn selbst wenn Bulgarien nun nicht unbedingt im Westen liegt, erinnern die deutschen Montagearbeiter und die einheimischen Dorfbewohner trotzdem in vielerlei Hinsicht an Cowboys und Indianer – die Deutschen bringen mit einem Wasserkraftwerk den (vermeintlichen) Fortschritt, sie markieren mit einer eilig im Bauarbeiterlager aufgehängten Deutschlandfahne ihr „Fort“, sie reiten (halb)wilde Pferde und Hauptdarsteller Meinhard Neumann erinnert sogar ein wenig an den einsamen Westernhelden Clint Eastwood. Trotzdem ist „Western“, der beim Filmfestival in Cannes in der Sektion „Un Certain Regard“ seine Premiere feierte, zu keiner Sekunde klassisches Metaphern- oder selbstreferenzielles Meta-Kino. Stattdessen wirkt der dritte Spielfilm von Valeska Grisebach („Mein Stern“, „Sehnsucht“) einfach nur in einem solchen Maße authentisch, dass wohl selbst viele Dokumentarfilmer vor Neid erblassen dürften: In dem ausschließlich mit Laiendarstellern besetzten Drama bekommt man nämlich nie das Gefühl, Grisebach würde ihre Protagonisten (wie Cowboys ihre Rinder) in die Richtung eines vorab festgelegten erzählerischen Ziels treiben. Vielmehr wirkt es so, als würden die Figuren einfach ihr Ding machen und Grisebach sie dabei lediglich mit der Kamera begleiten (das mag einfach aussehen, aber gerade das ist ja die Kunst).
Meinhard (Meinhard Neumann) ist zum Arbeiten und Geldverdienen nach Bulgarien gekommen – mit seinen Kollegen haust er in einer mitten im Nichts gelegenen, an eine kleine Ferienanlage erinnernde Bauarbeitersiedlung, während es mit der Konstruktion eines Wasserkraftwerks wegen Nachschubproblemen nur schleppend vorangeht (es gibt nicht mal genug Wasser für das Betonanrühren auf der Baustelle, trotzdem denkt keiner auch nur einer eine Sekunde darüber nach, ob ausgerechnet ein Wasserkraftwerk in dieser Gegend dann überhaupt eine so tolle Idee ist). Während die anderen Arbeiter abends lieber unter sich bleiben und sofort paranoid werden, wenn sie in der Nähe der Anlage Bulgaren entdecken, reitet Meinhard immer wieder in das nahegelegene Dorf und freundet sich schließlich trotz der Sprachschwierigkeiten sogar mit einigen der Bewohner an…

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